Sonntag, 19. Juni 2016

Rezension Ivo Pala - „H20 Das Sterben beginnt“


Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-38293-4
9,99 [D]
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 17.06.2014


Inhalt vom Klappetext:


Wir dachten, wir hätten unendliche Reserven. Wir haben uns geirrt.

Eine bislang unbekannte Terrorgruppe verseucht ein Trinkwasserreservoir im Bayerischen Wald mit hoch radioaktivem Atommüll. Erste Opfer sterben an den Vergiftungen und die Bevölkerung gerät in Panik, denn weitere Anschläge sind bereits angekündigt, und niemand ist in der Lage, sämtliche Wasservorräte der Republik zu bewachen. Julian Berg von der Terrorabwehr und Dr. Alexander Kehlhausen vom Bundesamt für Strahlenschutz versuchen, den Ursprung des Giftmülls zu finden und so die Terroristen aufzuspüren. Da stellen diese eine aberwitzige Forderung.


Meinung:


Ein Roman spannend von der ersten bis zur letzten Seite, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Der Protagonist Julian Berg, zuständig für die Terrorabwehr Deutschlands, war mir durchweg sympathisch, aufgrund der dramatischen Ereignisse, welche man auf den ersten Seiten las. 
Mit viel Adrenalin und Nervenkitzel wurde man durch die Seiten katapultiert um einem perfekt inszenierten, wie auch real erschreckenden Terroranschlag zu verfolgen.
Die Thematik Atomenergie, Wasser – Ursprung allen Lebens, verknüpft mit Politik, Geschichte und dem zweiten Weltkrieg hat sich zu einem unglaublichen Thriller spinnen lassen, der weitere Spannung aufbauen konnte durch die Verknüpfung von politischen Intrigen und korrupten Macht-und Karrierekämpfen.

Die Charaktere, die unmittelbar mit dem Fall in Zusammenhang stehen, werden vom Autor mehr oder weniger in eine gute und schlechte Seite eingeteilt, wobei ich mir während des Lesens immer wieder unsicher war, welche Person jetzt auf der guten oder schlechten stand. 
Mit einem professionellem Team, war rasch klar, wer hinter den Terroranschlägen steckte, doch diesen zu erwischen und mit welcher Intention dahinter, blieb bis zu den letzten Seiten unklar. 
Zumal sich dann noch ein Maulwurf im eigenen Ermittlungsteam nur schwer identifizieren ließ.
Unter Einsatz seines Lebens, riskierte Julian Berg immer wieder waghalsige Unternehmungen, in verschiedenen Ländern, um den Tätern auf die Spur zu kommen und musste oft genau abwägen, wer Feind oder Verbündeter war, was ihm nicht immer gelang.

Als zuletzt auch noch ein zeitliches Ultimatum seitens des Terrorverantwortlichen gestellt wurde, geriet alles außer Kontrolle und setzte das Ermittlungsteam samt der Regierung unter erheblichen Druck, dass noch so einige ihr wahres Gesicht zu erkennen gaben.

Ohne Liebesgeplänkel oder Beziehungstächtelmächtel, was der Roman auch nicht nötig gehabt hätte, wurde zum Schluss nochmal meine emotionale Seite bedient, was dem Ganzen für mich persönlich ein gelungenes Ende verlieh.  


Bewertung: 5 Sterne

Freitag, 17. Juni 2016

Rezension - Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“




http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Ungehoerigkeit-des-Gluecks/Jenny-Downham/e484736.rhd



Inhalt vom Klappentext:


Aktuell und zeitlos zugleich, zutiefst menschlich und authentisch – einfach große Frauenunterhaltung.

Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …



Meinung:




Der Roman, der die Familiengeschichte dreier Frauen erzählt und somit drei Generationen vereint, hat mich sehr überzeugt.
Zu Beginn finden wir eine äußerst angespannte Stimmung, aufgrund des jahrelang verweigerten Kontakts zwischen Mary und ihrer Tochter Caroline vor. Diese muss nun ihre Demenzkranke Mutter plötzlich bei sich aufnehmen, da der verstorbene Partner Jack, sie als Bezugsperson angab. Warum das Verhältnis zwischen den beiden so ungeklärt ist, finden wir mit Hilfe der Tochter Katie heraus.
Sie findet schnell einen guten Draht zu ihrer Großmutter, obwohl sie zwischendurch immer mal wieder erinnert werden muss, wo und mit wem sie derzeit zusammenlebt.

Caroline wurde von ihrem Ex-Mann verlassen und hat als alleinerziehende, berufstätige Mutter von zwei Kindern und nun auch noch ihrer eigenen Mutter einen hektischen Alltag.
Somit bürdet sie immer häufiger ihrer Tochter auf, auf Mary aufzupassen, da diese gern urplötzlich die Wohnung verlässt, um immer wieder in eine bestimmte Gegend aufzubrechen.
Da ihre eigenen Erinnerungen sie immer wieder im Stich lassen und sie oft nicht mehr weiß, wohin sie unterwegs war, beginnt Katie ein Tagebuch zu führen, mit allen Gedanken und Erinnerungen aus Gegenwart und Zukunft sowie ihren aktuellen Unternehmungen.
Sehr authentisch und gefühlvoll behandelt die Autorin das Thema Demenzerkrankung und seine Tücken im Alltag, aber auch ein tragisches Familiengeheimnis, welches die Spannung in der Geschichte aufrecht erhält.

Die wundervolle Bindung die Mary zu ihrer Enkelin aufbaut ist unglaublich mitfühlend gewesen und hat mich total emotional werden lassen.
Der Witz und Charme der von Mary ausgeht, sorgt immer wieder für eine Portion gute Laune zwischen diesem ernsten Thema und auch Katies 14-jähriger Bruder, der an einer Entwicklungsstörung leidet, sorgte mit seiner liebenswerten Naivität für so einige Schmunzler bei mir.

Katie ist mir als eine der Hauptfiguren sehr sympathisch, vor allem, da sie eine unglaubliche Stärke beweist und sich enorm weiterentwickelt auf dem Weg zu ihrem eigenen Ich. Sie stellt sich ihren größten Ängsten und spricht offen über ihre Sexualität und beweist somit großen Mut.
Da ihre Mutter viel beschäftigt ist, bürdet sie Katie viel Verantwortung auf und verlässt sich vollkommen auf ihre Tochter.
Dass diese nun ganz andere Vorstellungen vom Leben hat und von einem ganz normalen Teenager-Leben träumt kann Caroline so gar nicht verstehen.

Das Verhalten von Caroline gefiel mir zu Beginn überhaupt nicht, da sie nicht wirklich weitsichtig handelt und sehr eigene Ansichten vom Alltag und Leben hat, einen enormen Ehrgeiz an den Tag legt und diesen somit auch von allen anderen Menschen erwartet.
Die nicht vorhandene Toleranz und das fehlende Verständnis so ziemlich jedem Familienmitglied gegenüber fand ich sehr charakterschwach und macht sie mir wenig sympathisch.

Das änderte sich glücklicherweise zum Ende hin, als das große Familiengeheimnis geklärt werden konnte und eine befriedigende Lösung für alle gefunden wird, was ich zu Beginn niemals erwartet hätte.
Ein unglaublich tolles Buch, was mich sehr gut unterhalten hat, mich viel zum Nachdenken bewegen konnte und niveauvoll mit ernster Thematik umgeht.



Bewertung: 5 Sterne

Montag, 6. Juni 2016

Rezension - David Good „ Meine Dschungel-Mutter. Wie ich bei den Yanomami- Indianern meine Wurzeln fand“


http://www.rowohlt.de/taschenbuch/david-good-meine-dschungelmutter.html#v3403639



Inhalt vom Klappentext:


David Goods Vater, ein Anthropologe, trifft Mitte der siebziger Jahre im Amazonas-Dschungel fernab der Zivilisation eine Yanomami-Frau, und zwischen den beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Bald kommt das erste Kind zur Welt, David, und die kleine Familie zieht in die USA. Für Yarima, Davids Mutter, ein Kulturschock. Sie passt sich an, doch nach fünf Jahren hält sie es nicht mehr aus: Von einem Besuch bei ihrem Stamm kehrt sie nicht mehr zurück, lässt David und seine beiden Geschwister beim Vater.

Als junger Erwachsener gerät David durch Alkohol und Drogen aus der Bahn – bis ihm plötzlich klar wird, dass er zu seinen Wurzeln zurückkehren muss. Er macht sich auf die lange Reise zu seiner Mutter in den Dschungel; und er findet dort, wonach er all die Jahre so verzweifelt gesucht hat.


Meinung:


Der Autor und gleichzeitige Protagonist David teilt hier in diesem Buch seine unglaublich bewegende Lebensgeschichte mit uns und diese Geschichte ist so echt und persönlich, da er wirklich alles von sich preisgibt. Er hat mir unglaublich imponiert, vor allem weil er so ehrlich mit sich selbst war und sich das automatisch in der Geschichte widerspiegelte. Man verfolgt seine Entwicklung vom Kleinkind zum Mann und stellt auch eine unglaubliche Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit und Reife fest.

Das Buch ist in 8 Kapitel unterteilt und wir werden auf den ersten Seiten mitten in eine Situation während seines ersten Besuchs in den Amazonas hinein geschubst. Der Autor springt dann immer von den Anfängen und der Kennenlern-Geschichte seiner Eltern, die unglaublich interessant und bedeutsam ist, zu einem aktuelleren Erlebnis hin und her. Somit hielt er den Spannungsbogen immer wieder aufrecht und ein Puzzle fügte sich somit für den Leser allmählich zusammen.
David wirkt zunächst durch sein erzählen aus der Vergangenheit wenig sympathisch, da er absolut auf die schiefe Bahn gerät, was aber auch nicht allzu abwegig ist, wenn man die Hintergründe dafür kennt. Abgesehen davon, hat man trotzdem den Eindruck, dass er einen guten und liebenswerten Kern hat und hinter alldem Größeres zu stecken scheint, was dem Leser auch schnell offenbart wird.

Das Buch erzählt von der Suche nach seiner jahrelang verdrängten Identität und das es auf einer wahren Begebenheit beruht, machte das Ganze für mich noch greifbarer und emotionaler.
Was mir sehr gut gefallen hat, dass er große Rücksicht auf seine zwei Geschwister nimmt, denn er hält sich größtenteils nur an seine eigene Perspektive und versucht nicht aus deren Sichtweise die Geschichte zu ergänzen, was ich sehr respektvoll von ihm finde.
Man bekommt einen unglaublich guten Eindruck von den Ureinwohnern des Amazonas-Dschungel und lernt ihre Lebensgewohnheiten und Kultur so detailliert kennen, dass man das Gefühl bekommt, selbst dort gewesen zu sein.


In der Mitte des Buches sind einige Fotografien eingebaut mit Beschreibungen von den Besuchen bei seiner Mutter und seinem Stamm, was unglaublich beeindruckend ist, zumal wir sie einmal in westlicher Kleidung in den USA und dann wieder traditionell gekleidet sehen dürfen.
Viel mehr Inhalt möchte ich eigentlich nicht preisgeben, da diese spannende Erzählung noch so viele einschneidende Sequenzen für den Leser bereithält, den man selbst entdecken sollte.

Das gelungene Werk erzählt eine wunderbare Geschichte, über einen jungen Mann auf dem Weg zu sich selbst, eine sehr angespannte und schwierige Familiensituation, eine sehr interessante Kultur auf einem anderen Kontinent mit einem Ende, dass mich zu Tränen gerührt hat. Absolut empfehlenswert!  

Montag, 30. Mai 2016

Rezension

Hannah Tunnicliffe - „ Der Geschmack von Salz und Honig“




€ 9,99 [D] 
Taschenbuch, Broschur
Erschienen: 11.04.2016





Inhalt vom Klappentext:


Süß wie die Liebe, salzig wie das Meer – so schmeckt das Leben
Wenige Tage vor der Hochzeit stirbt Francescas große Liebe Alex bei einem Unfall. Kurz darauf erfährt sie, dass ihr vermeintlich perfekter Verlobter Geheimnisse vor ihr hatte. Am Boden zerstört, flüchtet sie in eine kleine Holzhütte in den Wäldern von Washington. Hier kann sie den Duft der Pinienbäume und des nahen Ozeans genießen und den Weg zurück ins Leben finden. Dabei helfen ihr ihre Nachbarn, die sie herzlich in ihrer Mitte aufnehmen. Und vor allem Jack, der sich zusammen mit seiner Tochter Huia in Francescas Herz schleicht.


Meinung:


Eine zunächst vorhersehbare Geschichte, dachte ich, erwartet mich hier. Im Gegenteil: ein sehr gefühlvoller Roman mit Tiefgang und Emotionen hat mich abgeholt und von der ersten Seine mit dem wunderbaren Schreibstil in den Bann gezogen. Die Protagonistin Frankie ist eine temperamentvolle Italo-Amerikanerin und flieht auf der Trauerfeier vor ihrer überfürsorglichen italienischen Großfamilie. Angekommen in einem kleinen Häuschen mitten im Wald versucht sie Ruhe zu finden und bleibt auch hier nicht lange allein.

Plötzlich taucht ihre langjährig untergetauchte Schwester Bella auf und darüber ist sie so gar nicht erfreut. Das Verhältnis zu ihr ist mehr als spannungsgeladen und ungeklärt. Ihre Schwester versucht ihre Nähe und Aufmerksamkeit zu erlangen, diese jedoch ist stur, abweisend, stinksauer und ignoriert sie komplett. Zunächst weiß der Leser nicht warum das Verhältnis so schwierig ist, bzw. das, was wir erfahren, konnte ich nicht ganz nachvollziehen und ich habe Frankie als sehr nachtragend erlebt. Sonst war sie mir eine angenehme und sympathische Protagonistin, deren Handeln und Tun in einer solch dramatischen Situation absolut nachzuempfinden ist.

Immer wieder tauchen wir mit ihr in Gedanken in die noch gemeinsam erlebte Vergangenheit ein und lernen so auch den bereits verstorbenen Alex kennen, wie er z.B. ihr dort im Wald einen Heiratsantrag machte usw. Eine Beziehung wie aus einem romantischen Kitschfilm, das mir schon etwas zu viel des Guten war. Doch so perfekt wie es auf den ersten Blick scheint ist es doch nicht, wie man später erfährt und sich Francesca auch selbst eingestehen muss.

Ein Nachbar namens Jack mit seiner Tochter Huia nehmen Frankie liebevoll in ihrer kleinen Waldgemeinschaft auf und kümmern sich rührend um die am Boden zerstörte Frankie.Huia, ein neugieriges und lebhaftes Mädchen bringt ihr viel über die Natur und Vögel bei, was erst mal recht banal klingt, doch super gut umgesetzt wurde. Man taucht in die Gerüche, Farben und Bilder eines wunderschönen Waldes ein und man ist als Leser mittendrin im Geschehen, alles wirkt so echt und lebhaft, nicht zu aufgesetzt und affektiert.

Es wird viel mit den Eigenschaften der Elemente Salz und Honig gespielt, das heißt die Autorin beschreibt Gerüche, Emotionen und Zustände mit der Farbe, Geschmack oder Aussehen, was mir sehr gut gefallen hat, dass sie hier immer wieder den Titel des Buches aufgreift.Zudem ist das gesamte Buch immer mal wieder mit traditionellen Gerichten und italienischen Rezepten gespickt, was die Liebe zum Detail noch deutlicher für mich machte. Wie zu Anfang befürchtet, wurde ich glücklicherweise nicht zum Schluss mit einem kitschigen, sondern einem sehr gefühlvollen Happy End überrascht und die Geschichte ist wunderbar auf den Punkt zu Ende auserzählt und das war genau richtig meiner Meinung. 

Ein Roman über einen starken Familienzusammenhalt, Trauer, Verlust, Freude und den Sinn des Lebens, absolut empfehlenswert und eine geeignete Sommerlektüre mit etwas Tiefgang.

Bewertung: 4 Sterne

Dienstag, 17. Mai 2016

Rezi Gernot Griksch - Ghetto Bitch

Rezension - Gernot Griksch „ Ghetto Bitch“

                           

      HC: 14,99 € - 320 Seiten
      Dressler Verlag
      erschienen am: 09.05.2016




Inhalt:

Nele lebt mit ihrer Familie im schicken Hamburger Villenviertel Poppenbüttel und ist allseits beliebt in ihrer Schule. Doch plötzlich stirbt ihr Vater bei einem tragischen Verkehrsunfall und hinterlässt einen Berg voller Schulden.
Ein Alptraum beginnt für Nele als sie erfährt, dass sie, ihr Bruder und ihre Mutter umziehen müssen und zwar in eine Hochhaussiedlung am anderen Ende der Stadt. Dort erwartet sie ein komplett anderes Leben und nun muss Nele versuchen, in dieser voll mit Vorurteilen behafteten Gegend zu überleben, was alles andere als einfach für sie ist.
Ihr Bruder Timo hingegen, der ein kompletter Außenseiter in der alten Schule war, findet hingegen rasch Anschluss und zur Freude seiner Mutter scheint er sehr beliebt, doch sind das wirklich wahre Freunde und steht Timo auf der richtigen Seite?


Meinung/Fazit:

Nele ist ein kleines verwöhntes Mädchen, dass sich noch nie Sorgen um Geld machen musste oder Fragen stellte wie : „Wovon soll ich ein neues Outfit kaufen?“ Das ist bei Familie Brüggemann nie ein Thema gewesen, bis der Vater nach seinem Tod einen Haufen von Schulden hinterlässt und die Versicherung nichts zahlen will, da es unklar ist, ob sich Neles Vater selbst das Leben genommen hat oder der Autounfall tatsächlich so passiert ist.

Nele bringt es nicht über sich, vor ihren reichen Freunden zuzugeben, dass ihre Familie von jetzt an von Hartz IV in einem sozial-schwachen Bezirk leben soll und erfindet mit Ihrer Mutter eine Lüge. Sie gaukeln allen Freunden der Familie vor, sie würden für ein Jahr nach New York gehen um eine kleine Auszeit zu nehmen und weil ein tolles Jobangebot auf Henriette, Neles Mutter, wartet.
Diese Art mit dem Schicksal umzugehen halte ich für sehr unwirklich und übertrieben, zumal das Henriette als Mutter voll und ganz unterstützt.
Da es durchaus möglich ist sich in Hamburg zu begegnen, trotz das man in verschiedenen Stadtteilen wohnt, ist hier schon vorhersehbar, dass eine Katastrophe vorprogrammiert ist.

Timo, der oft als Mobbingopfer für die schnöseligen Poppenbütteler herhalten musste, stellte auf der Abschiedsparty im Villenviertel einen Streich an, der sich mehr als gewaschen hatte.
Das sich daraufhin jemand rächen will, treibt ihm noch so einigen Ärger ein.
Sehr real wird also hier das Thema Mobbing und seine Konsequenzen behandelt. Was es aus einem Menschen macht und werden lässt ist erschreckend und sieht man an der Figur Timo, der eigentlich ein sehr ehrlicher und talentierter 14-jähriger Junge ist.
Ich mochte ihn unglaublich gern als Charakter und konnte seine Handlungen teilweise nachvollziehen und verstehen.
Auf der neuen Schule im Viertel Steilshoop ist Multi-Kulti angesagt und eine besonders lockere, junggebliebene Lehrerin hat teilweise einen, wie ich finde, sehr übertriebenen Jugendslang angewandt, der das Ganze etwas affektiert wirken ließ.

Nach holprigen und unbequemen Startschwierigkeiten lernt auch Nele bald ein Dreiergespann von Mädchen kennen, mit denen sie sich früher nie abgegeben hätte. Schnell lernt sie, sich mit der nicht ganz korrekten grammatikalischen Aussprache und dem auffälligen Kleidungsstil der quirligen und lautstarken Ginny anzufreunden. Dieser Charakter gefiel mir sehr gut und war authentisch und glaubhaft.
Nele geht als sehr vernünftige Figur voran, da sie den coolen Skaterjungen Rick versucht, vom Kiffen abzubringen, was ihr mehr oder minder gut gelingt, dennoch hat sie sehr überwiegend reife Ansichten, wobei natürlich ihr Verhalten doch teilweise bestärkt, dass sie erst 16 Jahre jung ist.
Des weiteren besticht der Autor unter den Jugendlichen mit einer sehr glaubwürdigen Sprache, wobei mir nicht jeder Ausdruck ein Begriff war ( needy).

Anders als erwartet bietet dieses Jugendbuch einen Tiefgang und eine Entwicklung der Charaktere von Nele und Timo, die sich später herauskristallisiert.
Ebenfalls werden ernste Themen wie Zwangsheirat, Gewalt und Drogen thematisiert ohne diesem zu kritisch entgegen zu treten oder zu bagatellisieren.
Ebenfalls gefiel mir die Eigenständigkeit und individuelle Persönlichkeit der Charaktere, man konnte oft am Schreibstil erkennen, welche Jugendgruppe den Dialog anführte.
Insgesamt unterhielt mich dieses Jugendbuch sehr gut, machte mich an einigen Stellen nachdenklich und ließ sich sehr schnell weglesen, genau so muss ein gutes Buch sein.



Bewertung: 4Sterne 

Sonntag, 8. Mai 2016

Rezension Eve Chase „Black Rabbit Hall“

HD 19,99€
Blanvalet Verlag
Erschienen März 2016







Inhalt:

Black Rabbit Hall - so wird das Anwesen in Cornwall genannt, welches den Haupthandlungsort dieser Geschichte widerspiegelt.
Wir lernen die glückliche Familie Alton kennen, die Ende der 60er Jahre das Haus als Feriendomizil mit ihren vier Kindern bewohnen und die ruhige Zeit genießen, bis zu dem Tag, der alles verändert.
Ein furchtbares Ereignis verändert alles und nichts ist mehr wie es einmal war.
Die Mutter hat einen Unfall und kommt dabei ums Leben, das zweitjüngste Familienmitglied Barney hat etwas gesehen, aber dieser ist danach so traumatisiert, dass er nicht darüber sprechen kann.
Der Vater ist ebenfalls so schockiert, dass es nun an der ältesten Tochter Amber hängenbleibt, sich um die Geschwister zu kümmern.
Ihr Zwillingsbruder Toby ist ihr dabei keine große Hilfe, da auch er unter dem Verlust leidet und sich immer mehr zurückzieht, vor allem als der Vater seine frühere Liebschaft an Heiligabend als neue Frau präsentiert, die ebenfalls einen Sohn mit in die Beziehung bringt.
Das ist ein schwerer Schlag, denn Hugo vergötterte seine verstorbene Frau und niemand begreift, aus welchen Gründen er so schnell eine neue Bindung eingeht.
Die Antipathie gegenüber der Stiefmutter wird immer größer, vor allem da ihre Pläne dahingehen, dass der eigentliche Erbe des Anwesens Toby durch ihren Sohn Lucian ersetzt werden soll.
Amber, die eine sehr enge Bindung zu ihrem Zwillingsbruder hat, verbringt immer mehr Zeit mit dem neuen Stiefbruder, was Toby mit aller Macht zu verhindern versucht.
Dieser hat angeblich im Gefühl, dass da nichts Gutes bei herauskommt, was sich später auch bewahrheiten soll.

Jahrzehnte später befinden sich Lorna und ihr Verlobter Jon auf der Suche nah dem richtigen Ort zum Heiraten und nehmen die weite Fahrt von London nach Cornwall in Kauf.
Mit viel Verspätung gelingt es ihnen das prächtige, aber marode Anwesen zu besichtigen, was von dem schüchternen Hausmädchen Dill begleitet wird.
Lorna ist direkt in den Bann des alten Gemäuers gezogen, vor allem da sie in ihrer Kindheit öfter mit ihrer kürzlich verstorbenen Mutter hier war.
Ein Telefonat mit ihrem noch trauernden Vater, der offensichtlich mehr über das Anwesen und dessen Geschichte weiß, als er preisgeben möchte, lässt sie neugierig werden.
Was hat es mit diesem alten Gemäuer auf sich, welches so starke Gefühle in ihr auslöst?
Ihr Verlobter jedoch beäugt das Ganze von Beginn an sehr skeptisch, als zudem auch noch einige Unstimmigkeiten bezüglich der Organisation der Hochzeit aufkommen, möchte er am liebsten den Ort schnellstmöglich wieder verlassen.
Lorna ist felsenfest überzeugt, sich das alte Haus nochmal in Ruhe anzusehen und kommt allein zurück und was sie dann erfährt, als sie die Hausbewohnerin kennenlernt übersteigt ihre gesamten Vorstellungen.
Wird ihr großer Wunsch noch in Erfüllung gehen, das die Hochzeit auf dem Anwesen statt findet oder entwickelt sich alles in eine komplett andere Richtung?

Meinung/Fazit:

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Amber, der älteren Tochter der Altons erzählt und Lorna, die sich jahrzehnte später eine Hochzeit auf dem schönen alten Anwesen erhofft.
Die Figuren sind alle auf den Punkt gezeichnet und somit unglaublich authentisch. Man fühlt und leidet unglaublich mit der Familie Alton mit, nachdem die lebensfrohe und liebende Mutter Nancy verstirbt.
Auch diverse andere Ereignisse halten durchgehend die Spannung aufrecht in diesem Buch, was ebenfalls durch die geschickte Wendung der Sichtweisen ausgelöst wird.
Vom Vater Hugo erfährt man relativ wenig, was einem zu Beginn absolut nicht nachvollziehen lässt, warum er die aufgesetzte Caroline ins Haus holt.
Das Klischee der bösen Stiefmutter wird hier vollends von ihr ausgefüllt und ließ sie mir wahrscheinlich gewollt, sehr unsympathisch erscheinen. Ein Beispiel dafür ist, dass sie übertrieben freundlich den Kindern gegenüber ist, jedoch nur in der Gegenwart des Vaters.
So kühl und zynisch ebenfalls ihrem eigenen Sohn gegenüber, macht dieser anfangs stets einen unnahbaren und kühlen Eindruck.
Doch Amber sieht ihn als einzige mit anderen Augen und nähert sich ihm langsam an, allerdings nur wenn sie nicht ihren Bruder Toby in der Nähe wittert. Mit seinem Charakter bin ich nicht wirklich warm geworden, da er sehr launenhaft und aggressiv ist ,ich nicht einschätzen konnte, ob sich sein Beschützerinstinkt zu seiner Zwillingsschwester noch im normalen Rahmen bewegt.
Amber hingegen ist sehr vernünftig und reif für ihre 15 Jahre und versucht die Lücke, die ihre Mutter dagelassen hat zu füllen, indem sie sich intensiv um die jüngeren Geschwister Barney und Kitty kümmert.
Mit einem sehr schönen Schreibstil hat die Autorin hingebungsvoll die Beziehung zwischen den Geschwistern entstehen lassen, was die Geschichte sehr emotional für mich machte.

Lorna ist als Hauptcharakter eine neugierige und offene Person, die einen großen Drang verspürt, sich nach dem Geheimnis und der Vergangenheit des alten Gemäuers auf die Spur zu begeben. Auf dem Dachboden entdeckt sie Fotos von sich und Ihrer Mutter, in der Auffahrt des Anwesens stehend und fragt sich, warum sie ausgerechnet hier zu zweit Urlaub machten, ohne ihre Schwester und ihren Vater.
Über ihre eigene Vergangenheit erfährt man zum Ende hin mehr, wobei man schon eine ungefähre Ahnung hat, worauf das Ganze hinausläuft.
Dennoch hat die Autorin den Handlungsstrang unheimlich gut ausgearbeitet und mit sehr viel Gefühl zu Ende geschrieben, was mir sehr gefiel.
Eine kleine unerwartete Wendung wird ebenfalls auf den letzten Seiten mit eingebaut, was die Geschichte auch auf den letzten 50 Seiten nochmal an Fahrt aufnehmen ließ.
Insgesamt eine gefühlvolle, spannungsgeladene Familiengeschichte ohne Längen, die mir absolutes Lesevergnügen bereitete.
Da die Grundidee hinter dieser Geschichte nicht wirklich anspruchsvoll, neu und innovativ ist, bewerte ich dieses Buch mit guten 4 von 5 Sternen.




Bewertung: 4 Sterne