Samstag, 9. Juli 2016

Rezension Kristina Ohlsson „ Papierjunge“





€ 19,99 [D] Gebundenes Buch mit SchutzumschlagErschienen: 29.02.2016

Inhalt:


In der jüdischen Salomongemeinde in Stockholm passieren plötzlich furchtbare Dinge. Zuerst wird eine Erzieherin am helllichten Tage vor der Schule erschossen und einige Tage später werden zwei Jungenleichen entdeckt. Das Ermittlerteam Alex Recht und Fredrika Bergman müssen alle Kontakte und Verbindungen spielen lassen, um diesen Fällen auf die Spur zu kommen.
Dabei treffen sie in ihren Recherchen immer wieder auf die jüdische Sagengestalt des Papierjungen. Sind diese Morde zusammenhängend oder haben diese sogar einen Antisemitischen Hintergrund?
Eine heiße Spur lockt Fredrika nach Isreal, wo sie brisante Informationen erhält, doch dann verschwindet ein weiteres Kind der Salomongemeinde. Schaffen es die beiden Ermittler rechtzeitig den Täter zu schnappen?


Meinung:



Ein wirklich guter Thriller, mit einer absolut innovativen Idee dahinter und einer sehr düsteren, passenden Atmosphäre.


Zu Beginn des Buches wird die Legende um die jüdische Gestalt des Papierjungen erzählt, dann erfahren wir wenige Seiten später, wie eine Frau nach Hause kommt und ihre Familie ermordet im Schlafzimmer vorfindet.
Diese Szene spielt eigentlich am Schluss des Buches, doch bedient sich die Autorin hier mehrerer Fragmente und flechtet diese immer wieder in das laufende Geschehen mit ein, jedoch erfahren wir nicht, um welche Familie es sich hier handelt.
Dann beginnt die eigentliche Geschichte, die immer wieder aus verschiedenen Perspektiven der diversen Charaktere erzählt wird, wobei wir hier dieselben Informationen nur aus anderer Sichtweise bekommen. Dies passiert glücklicherweise nicht zu oft, das würde sonst sehr zäh verlaufen, aber da hat die Autorin das richtige Maß angesetzt.
Wir bekommen einen sehr genauen Einblick in die privaten Verhältnisse des Ermittlerduos und das macht die Figuren natürlich sehr lebendig und glaubhaft.
Da wir stetige Beobachter der Geschehnisse sind und in groben Zügen mitbekamen, was die beiden Jungen durchleiden mussten, gewann dieses Buch unglaublich an Dramatik und Mitgefühl.
Sehr merkwürdig waren die Befragungen der beiden Familien der Opfer, da diese sich mehr in Schweigen hüllten und immer den Eindruck vermittelten, sie wüssten mehr als sie preisgaben.
Das gelungene an dem Thriller ist, wie ich finde, dass wir zunächst einen guten Überblick über die vielen Personen, welche insgesamt eine Handlungsrolle übernehmen bekommen, als stiller Beobachter überall dabei sind, zuletzt aber mehr wissen als die Polizei und die Beteiligten selbst.
Der Spannungsbogen wurde versucht aufrecht zu erhalten durch den ständigen Perspektivwechsel der Figuren, was mich allerdings mehr anstrengte als fesselte.
Gekonnt schubste die Autorin den Leser von einer Fährte auf die nächste, immer glaubte man eine etwaige Ahnung zu haben, wer dahinter steckt und wurde kurz darauf wieder enttäuscht, wenn man weiter mit Informationen gefüttert wurde.
Für mich persönlich nahm das Buch erst so richtig an Fahrt auf den letzten 250 Seiten auf, zuvor war es interessant, aber nicht allzu fesselnd, wie ich es mir erhofft hatte.


Bewertung: 4 Sterne

Montag, 4. Juli 2016

Rezension Katie Marsh – Die Liebe ist ein schlechter Verlierer

12,99 [D] - Paperback, Klappenbroschur
Erschienen: 28.03.2016 




Inhalt vom Klappentext:


Was, wenn der Moment, in dem du gehen willst, der Moment ist, in dem er dich am meisten braucht?

Hannah will Tom verlassen. Morgen sagt sie es ihm. Und dann erfüllt sie sich ihren Traum, nach Afrika zu gehen. Tom will an seiner Ehe festhalten, sei sie noch so eingefahren. Er ignoriert die Probleme, will einfach nur neben Hannah einschlafen und morgen ins Büro fahren.

Doch dazu kommt es nicht …

Hannah und Tom wissen nicht, dass morgen alles anders sein wird. Dass Hannah ihre Pläne aufgeben muss und Tom nie wieder in sein altes Leben zurückkehren kann. Auch wissen sie nicht, dass ihre Liebesgeschichte noch nicht zu Ende ist und dass manche Träume einen Umweg nehmen müssen, bevor sie in Erfüllung gehen …



Meinung:


Das Buch konnte mich von Anfang an begeistern und auch mit der Thematik punkten, da ich solch eine Geschichte noch nicht las.
Die Charaktere Hannah und Tom waren absolut authentisch gezeichnet und mitten aus dem Leben gegriffen, sodass ich ihnen auch die Dialoge und das Ganze drumherum abgekauft hab.
Selbst die Nebencharaktere konnten mit ihren individuellen, aber dennoch glaubhaftem Auftreten überzeugen, wie z.B. Toms Schwester Julie oder Hannahs beste Freundin Steph.

Die Spannung hat die Autorin aufrecht erhalten, indem sie uns immer wieder Einblicke in die Vergangenheit nehmen lässt, wobei wir erfahren, aus welchem Grund die Beziehung mehr oder weniger in die Brüche ging. Später dann auch Erinnerungen an all die schönen und glücklichen Momente aus ihrer fünf-jährigen Beziehung.

An einigen Stellen konnte ich mich absolut mit Hannah identifizieren, was ihre Handlungen und Überlegungen anging, was sie mir umso sympathischer machte. Tom empfand ich zu Beginn als sehr festgefahren und störrisch, mit dem Blick fürs Unwesentliche. Während der Geschichte entwickeln sich die beiden Hauptcharaktere allerdings in eine sehr positive Richtung, was dem ganzen Plot eine unerwartete Wendung gab und mich auch später mit einem Happy End rund um befriedigt zurück ließ.

Der Schreibstil ist nicht überaus einzigartig, aber super schön zu lesen und besticht durch die Dialoge der Charaktere, sodass man einem angenehmen Lesefluss folgt.
Eine sehr schöne, romantische, aber zeitweise ein klein bisschen kitschig gestaltete Liebesgeschichte, in denen wir einer ganz aktuellen Thematik begegnen, nämlich der Entfremdung zweier Menschen in einer Beziehung durch den beruflichen Druck und die wenige Zeit, welche man sich für die falschen Dinge nimmt. 
Um diese Erkenntnis zu gewinnen, mussten die beiden jedoch erst einmal einen fürchterlichen Schicksalsschlag erleiden, den sie aber so gut es geht meistern. Dadurch werden einem wieder die kleinen aber dennoch feinen Dinge im Alltag bewusst, vor allem wie schnell alles vorbei sein kann und wie sehr man die wenige kostbare Zeit mit seinen Liebsten auskosten sollte.
Wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickelt und ob Hannah ihre Träume doch noch verwirklichen kann müsst ihr natürlich selbst herausfinden.


Dieses Buch bietet viel Stoff an Emotionalität und tiefen Gefühlen, wobei der Tiefgang an einigen Stellen zu kurz kommt. Dennoch würde ich diese Lektüre als Leseempfehlung würdigen, da es viel Mitgefühl, Zuneigung, Mitleid, Trauer und Sympathie beim Leser aufkommen lässt.  


Bewertung: 4 Sterne

Samstag, 2. Juli 2016

Rezension Anne Sanders - Sommer in St.Ives

14,99€ (TB)
414 Seiten
Blanvalet Verlag
Erschienen am24.05.2016



Inhalt vom Klappentext:


Alte Liebe. Neues Glück. Und ein verrückter Sommer in Cornwall ...

Lola Lessing stehen turbulente Wochen bevor: Gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern reist die junge Frau nach Cornwall, um ihrer Großmutter Elvira einen letzten Wunsch zu erfüllen. Denn Elvira möchte ihre Lieben noch einmal um sich haben, und zwar in dem charmanten Fischerdorf St. Ives, wo sie den glücklichsten Sommer ihres Lebens verbrachte. Niemand ahnt, dass Elvira hier einst ihre große Liebe gefunden hatte — und dass die ganze Familie kurz davor steht, in Elviras geheimnisvolle Vergangenheit einzutauchen und den überraschendsten Sommer ihres Lebens zu verbringen …


Meinung:

Ein für diese Jahreszeit typisches Sommerbuch und ein Roman, dessen Cover schon zum Träumen und dahin schwelgen einlädt.

Mit diesem Buch erhoffte ich mir eine seichte Sommerlektüre, die Raum für Träumereien lässt und Lust auf Fernweh macht und einfach nur zum abschalten einladen sollte.

Die Geschichte ,welche hauptsächlich aus der Sicht von Tochter Lola erzählt wird, spielt vor der traumhaften Kulisse Cornwalls und lässt uns zunächst die Familie Lessing kennenlernen.
Diese sitzen im Flieger, um 6 Wochen Urlaub in St.Ives bei Großmutter Elvira zu verbringen, die gleich zu Beginn mit einer frohen Botschaft auf sie wartet. Die hat sich nämlich ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes dazu entschieden, ihre alte Jugendliebe Sam zu heiraten. Ein ehemaliger Rockstar, der stramm auf die 80 Jahre zugeht und ein sehr sympathischer Charakter ist.
Dies löst zunächst ein Schock aus für die eben erst angereiste Familie und das Ganze droht in einer Katastrophe zu enden.
Tochter Lola lernt nach einem kleinen Sturz am Strand den jungen, charmanten Chase kennen und für sie beginnt ein heißer Sommerflirt, ob sich daraus mehr entwickelt oder es dabei bleibt müsst ihr natürlich selbst herausfinden.

Zunächst einmal ein positiver Aspekt des Buches: Während der recht Klischee behafteten Lektüre springen wir immer mal wieder in die 50er Jahre zurück, um die Kennenlern-Geschichte von Elvira und Sam zu verfolgen, was ich ganz unterhaltsam fand. Dennoch handeln und agieren hier diese doch sehr konstruierten Charaktere alle auf eine sehr durchschaubare, naive Art und Weise, die mir leider völlig missfiel. Jede Handlungsfigur wurde eine bestimmte Rolle übergestülpt und war somit wenig authentisch, die Geschichte hielt für mich somit nicht viel Spannung oder Romantik bereit. An zwei Stellen des Buches widerfuhr mir dann doch ein Schmunzler, was aber immer nur Elvira oder Sams Charakter auslöste, da diese beiden Figuren sehr coole und ungewöhnliche Großeltern darstellten. Der Rest der Familie war einfach nur nervig oder ließ überhaupt keine Empathie aufkommen. Lola war ein sympathischer Charakter, aber auch für ihre 26 Jahre, konnte ich Ihre Gedanken und ihr Handeln nur selten als reif und erwachsen bewerten. Eher kommt sie etwas naiv rüber und auf der Suche nach sich selbst, was ja an sich nichts schlechtes ist, aber auf mich einen etwas dümmlichen Eindruck machte. Der Liebesgeschichte, welche hier thematisiert ist, fehlte es mir an Tiefgang und Emotion und die Dialoge insgesamt fand ich etwas flach. Zum Schluss stellte sich das zu erwartende Happy End ein, was für meinen Geschmack etwas “Over the top“ war.

Abschließend kann ich das Buch als eine wenig niveauvolle Sommerlektüre einstufen, die mich schlichtweg nicht berühren konnte und welche ich nicht weiter empfehlen würde.


Bewertung: 2,5 Sterne 

Rezension Minette Walters - Der Keller




9,99 [D] S.220 Taschenbuch, Klappenbroschur -
 ISBN: 978-3-442-48432-4
Erschienen: 18.04.2016



Inhalt vom Klappentext:


Munas Leben ist die Hölle. Und niemand kommt ihr zu Hilfe, denn keiner weiß, dass die Familie Songolis ihr Hausmädchen behandelt wie eine Sklavin. Dabei muss sie sich nicht nur Tag für Tag bis zur Erschöpfung um das Wohl der Songolis kümmern, sondern wird auch noch jede Nacht in einen dunklen, fensterlosen Keller gesperrt. Doch dann kehrt eines Tages der jüngste Sohn der Familie aus unerklärlichen Gründen nicht mehr nach Hause zurück. Damit die ermittelnden Polizeibeamten nichts von Munas Schicksal erfahren, darf sie ihren Keller verlassen. Und diese Chance nutzt sie auch. Denn Muna ist sehr viel klüger, als alle ahnen – und ihre Pläne sind sehr viel schockierender, als irgendjemand jemals vermuten würde ...


Meinung:


Ein kurzer Thriller, der jedoch alle Elemente packend vereint, um ein gutes Buch zu werden.

Dieses Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und gefesselt, durch den außergewöhnlichen Erzählstil und das Auslassen von detailreichen Beschreibungen jedweder Art. Die Autorin lässt den Erzähler nur das Nötigste berichten und kommt Schlag auf Schlag von einer grausigen Handlung zur nächsten.
Mit einer bewusst gewählten Distanz zu den Hauptcharakteren kommt wenig Empathie für Familie Songoli bei mir auf und man weiß zunächst nicht, welches das schlimmste Familienmitglied darstellt. Die kleine Muna ist ihnen völlig ausgeliefert und man hofft nur, dass sie dieser Hölle irgendwie entkommt. Von Schlägen und Vergewaltigungen, bis hin zur seelischen Folter gibt es nichts, was die Familie ihr nicht antut.
Das Verschwinden des jüngsten Sohnes, soll ihr dann eine Chance bieten sich für alles zu rächen, denn als die Polizei die Ermittlungen aufnimmt, darf das sonst im Keller versteckte Mädchen mit im Haus leben und wird als Tochter der Songolis vorgestellt. Von nun an hat sie Anspruch auf anständige Bekleidung und gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie. Als zurückgeblieben und unterentwickelt wird Muna bei den Polizisten und Nachbarn beschrieben, doch wenn das mal nicht die größte Täuschung überhaupt ist.
Da das Leben des Mädchens ohne Gefühle und Zuneigung verläuft, kann sie diese auch nicht empfinden und wo ich zu Beginn noch Mitgefühl habe, kann ich ihre späteren Handlungen durchaus nachvollziehen und verstehen. Das schicksalhafte Blatt der Familie wendet sich immer mehr und was zu Beginn noch sehr realistisch auf mich wirkte, bekommt immer mehr unglaubwürdigere und konstruierte Züge. Ich hatte das Gefühl, dass jedes der Familienmitglieder seine gerechte Bestrafung erhält, jedoch wird das gesamte Ausmaß des Rachefeldzugs von Muna bis zum Äußersten getrieben.
Ebenfalls muss ich feststellen, dass es extrem beängstigend ist, wie sich ein gefühlloses Leben ohne Liebe und soziale Zuneigung, nur erfüllt von Hass, Qualen und seelischen Schmerzen auf einen Menschen auswirkt.
Das Buch lässt mich doch etwas verstört und mit einem offenen Ende zurück, was dem Leser noch viel Raum für eigene Gedanken lässt.
Der Thriller besticht nicht nur durch seine psychischen Aspekte, sondern auch durch wirklich schlimme Folterungen und Qualen.
Die Autorin hat ein Talent, ohne viele Worte, diese Szenarien sehr lebhaft wirken zu lassen, sodass ich wirklich an einigen Stellen schlucken musste vor Entsetzen.
Abschließend hat das Buch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und ich würde es in jedem Fall weiter empfehlen.


Bewertung: 4 Sterne

Sonntag, 19. Juni 2016

Rezension Ivo Pala - „H20 Das Sterben beginnt“


Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-38293-4
9,99 [D]
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 17.06.2014


Inhalt vom Klappetext:


Wir dachten, wir hätten unendliche Reserven. Wir haben uns geirrt.

Eine bislang unbekannte Terrorgruppe verseucht ein Trinkwasserreservoir im Bayerischen Wald mit hoch radioaktivem Atommüll. Erste Opfer sterben an den Vergiftungen und die Bevölkerung gerät in Panik, denn weitere Anschläge sind bereits angekündigt, und niemand ist in der Lage, sämtliche Wasservorräte der Republik zu bewachen. Julian Berg von der Terrorabwehr und Dr. Alexander Kehlhausen vom Bundesamt für Strahlenschutz versuchen, den Ursprung des Giftmülls zu finden und so die Terroristen aufzuspüren. Da stellen diese eine aberwitzige Forderung.


Meinung:


Ein Roman spannend von der ersten bis zur letzten Seite, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Der Protagonist Julian Berg, zuständig für die Terrorabwehr Deutschlands, war mir durchweg sympathisch, aufgrund der dramatischen Ereignisse, welche man auf den ersten Seiten las. 
Mit viel Adrenalin und Nervenkitzel wurde man durch die Seiten katapultiert um einem perfekt inszenierten, wie auch real erschreckenden Terroranschlag zu verfolgen.
Die Thematik Atomenergie, Wasser – Ursprung allen Lebens, verknüpft mit Politik, Geschichte und dem zweiten Weltkrieg hat sich zu einem unglaublichen Thriller spinnen lassen, der weitere Spannung aufbauen konnte durch die Verknüpfung von politischen Intrigen und korrupten Macht-und Karrierekämpfen.

Die Charaktere, die unmittelbar mit dem Fall in Zusammenhang stehen, werden vom Autor mehr oder weniger in eine gute und schlechte Seite eingeteilt, wobei ich mir während des Lesens immer wieder unsicher war, welche Person jetzt auf der guten oder schlechten stand. 
Mit einem professionellem Team, war rasch klar, wer hinter den Terroranschlägen steckte, doch diesen zu erwischen und mit welcher Intention dahinter, blieb bis zu den letzten Seiten unklar. 
Zumal sich dann noch ein Maulwurf im eigenen Ermittlungsteam nur schwer identifizieren ließ.
Unter Einsatz seines Lebens, riskierte Julian Berg immer wieder waghalsige Unternehmungen, in verschiedenen Ländern, um den Tätern auf die Spur zu kommen und musste oft genau abwägen, wer Feind oder Verbündeter war, was ihm nicht immer gelang.

Als zuletzt auch noch ein zeitliches Ultimatum seitens des Terrorverantwortlichen gestellt wurde, geriet alles außer Kontrolle und setzte das Ermittlungsteam samt der Regierung unter erheblichen Druck, dass noch so einige ihr wahres Gesicht zu erkennen gaben.

Ohne Liebesgeplänkel oder Beziehungstächtelmächtel, was der Roman auch nicht nötig gehabt hätte, wurde zum Schluss nochmal meine emotionale Seite bedient, was dem Ganzen für mich persönlich ein gelungenes Ende verlieh.  


Bewertung: 5 Sterne

Freitag, 17. Juni 2016

Rezension - Jenny Downham „Die Ungehörigkeit des Glücks“




http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Ungehoerigkeit-des-Gluecks/Jenny-Downham/e484736.rhd



Inhalt vom Klappentext:


Aktuell und zeitlos zugleich, zutiefst menschlich und authentisch – einfach große Frauenunterhaltung.

Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …



Meinung:




Der Roman, der die Familiengeschichte dreier Frauen erzählt und somit drei Generationen vereint, hat mich sehr überzeugt.
Zu Beginn finden wir eine äußerst angespannte Stimmung, aufgrund des jahrelang verweigerten Kontakts zwischen Mary und ihrer Tochter Caroline vor. Diese muss nun ihre Demenzkranke Mutter plötzlich bei sich aufnehmen, da der verstorbene Partner Jack, sie als Bezugsperson angab. Warum das Verhältnis zwischen den beiden so ungeklärt ist, finden wir mit Hilfe der Tochter Katie heraus.
Sie findet schnell einen guten Draht zu ihrer Großmutter, obwohl sie zwischendurch immer mal wieder erinnert werden muss, wo und mit wem sie derzeit zusammenlebt.

Caroline wurde von ihrem Ex-Mann verlassen und hat als alleinerziehende, berufstätige Mutter von zwei Kindern und nun auch noch ihrer eigenen Mutter einen hektischen Alltag.
Somit bürdet sie immer häufiger ihrer Tochter auf, auf Mary aufzupassen, da diese gern urplötzlich die Wohnung verlässt, um immer wieder in eine bestimmte Gegend aufzubrechen.
Da ihre eigenen Erinnerungen sie immer wieder im Stich lassen und sie oft nicht mehr weiß, wohin sie unterwegs war, beginnt Katie ein Tagebuch zu führen, mit allen Gedanken und Erinnerungen aus Gegenwart und Zukunft sowie ihren aktuellen Unternehmungen.
Sehr authentisch und gefühlvoll behandelt die Autorin das Thema Demenzerkrankung und seine Tücken im Alltag, aber auch ein tragisches Familiengeheimnis, welches die Spannung in der Geschichte aufrecht erhält.

Die wundervolle Bindung die Mary zu ihrer Enkelin aufbaut ist unglaublich mitfühlend gewesen und hat mich total emotional werden lassen.
Der Witz und Charme der von Mary ausgeht, sorgt immer wieder für eine Portion gute Laune zwischen diesem ernsten Thema und auch Katies 14-jähriger Bruder, der an einer Entwicklungsstörung leidet, sorgte mit seiner liebenswerten Naivität für so einige Schmunzler bei mir.

Katie ist mir als eine der Hauptfiguren sehr sympathisch, vor allem, da sie eine unglaubliche Stärke beweist und sich enorm weiterentwickelt auf dem Weg zu ihrem eigenen Ich. Sie stellt sich ihren größten Ängsten und spricht offen über ihre Sexualität und beweist somit großen Mut.
Da ihre Mutter viel beschäftigt ist, bürdet sie Katie viel Verantwortung auf und verlässt sich vollkommen auf ihre Tochter.
Dass diese nun ganz andere Vorstellungen vom Leben hat und von einem ganz normalen Teenager-Leben träumt kann Caroline so gar nicht verstehen.

Das Verhalten von Caroline gefiel mir zu Beginn überhaupt nicht, da sie nicht wirklich weitsichtig handelt und sehr eigene Ansichten vom Alltag und Leben hat, einen enormen Ehrgeiz an den Tag legt und diesen somit auch von allen anderen Menschen erwartet.
Die nicht vorhandene Toleranz und das fehlende Verständnis so ziemlich jedem Familienmitglied gegenüber fand ich sehr charakterschwach und macht sie mir wenig sympathisch.

Das änderte sich glücklicherweise zum Ende hin, als das große Familiengeheimnis geklärt werden konnte und eine befriedigende Lösung für alle gefunden wird, was ich zu Beginn niemals erwartet hätte.
Ein unglaublich tolles Buch, was mich sehr gut unterhalten hat, mich viel zum Nachdenken bewegen konnte und niveauvoll mit ernster Thematik umgeht.



Bewertung: 5 Sterne

Montag, 6. Juni 2016

Rezension - David Good „ Meine Dschungel-Mutter. Wie ich bei den Yanomami- Indianern meine Wurzeln fand“


http://www.rowohlt.de/taschenbuch/david-good-meine-dschungelmutter.html#v3403639



Inhalt vom Klappentext:


David Goods Vater, ein Anthropologe, trifft Mitte der siebziger Jahre im Amazonas-Dschungel fernab der Zivilisation eine Yanomami-Frau, und zwischen den beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Bald kommt das erste Kind zur Welt, David, und die kleine Familie zieht in die USA. Für Yarima, Davids Mutter, ein Kulturschock. Sie passt sich an, doch nach fünf Jahren hält sie es nicht mehr aus: Von einem Besuch bei ihrem Stamm kehrt sie nicht mehr zurück, lässt David und seine beiden Geschwister beim Vater.

Als junger Erwachsener gerät David durch Alkohol und Drogen aus der Bahn – bis ihm plötzlich klar wird, dass er zu seinen Wurzeln zurückkehren muss. Er macht sich auf die lange Reise zu seiner Mutter in den Dschungel; und er findet dort, wonach er all die Jahre so verzweifelt gesucht hat.


Meinung:


Der Autor und gleichzeitige Protagonist David teilt hier in diesem Buch seine unglaublich bewegende Lebensgeschichte mit uns und diese Geschichte ist so echt und persönlich, da er wirklich alles von sich preisgibt. Er hat mir unglaublich imponiert, vor allem weil er so ehrlich mit sich selbst war und sich das automatisch in der Geschichte widerspiegelte. Man verfolgt seine Entwicklung vom Kleinkind zum Mann und stellt auch eine unglaubliche Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit und Reife fest.

Das Buch ist in 8 Kapitel unterteilt und wir werden auf den ersten Seiten mitten in eine Situation während seines ersten Besuchs in den Amazonas hinein geschubst. Der Autor springt dann immer von den Anfängen und der Kennenlern-Geschichte seiner Eltern, die unglaublich interessant und bedeutsam ist, zu einem aktuelleren Erlebnis hin und her. Somit hielt er den Spannungsbogen immer wieder aufrecht und ein Puzzle fügte sich somit für den Leser allmählich zusammen.
David wirkt zunächst durch sein erzählen aus der Vergangenheit wenig sympathisch, da er absolut auf die schiefe Bahn gerät, was aber auch nicht allzu abwegig ist, wenn man die Hintergründe dafür kennt. Abgesehen davon, hat man trotzdem den Eindruck, dass er einen guten und liebenswerten Kern hat und hinter alldem Größeres zu stecken scheint, was dem Leser auch schnell offenbart wird.

Das Buch erzählt von der Suche nach seiner jahrelang verdrängten Identität und das es auf einer wahren Begebenheit beruht, machte das Ganze für mich noch greifbarer und emotionaler.
Was mir sehr gut gefallen hat, dass er große Rücksicht auf seine zwei Geschwister nimmt, denn er hält sich größtenteils nur an seine eigene Perspektive und versucht nicht aus deren Sichtweise die Geschichte zu ergänzen, was ich sehr respektvoll von ihm finde.
Man bekommt einen unglaublich guten Eindruck von den Ureinwohnern des Amazonas-Dschungel und lernt ihre Lebensgewohnheiten und Kultur so detailliert kennen, dass man das Gefühl bekommt, selbst dort gewesen zu sein.


In der Mitte des Buches sind einige Fotografien eingebaut mit Beschreibungen von den Besuchen bei seiner Mutter und seinem Stamm, was unglaublich beeindruckend ist, zumal wir sie einmal in westlicher Kleidung in den USA und dann wieder traditionell gekleidet sehen dürfen.
Viel mehr Inhalt möchte ich eigentlich nicht preisgeben, da diese spannende Erzählung noch so viele einschneidende Sequenzen für den Leser bereithält, den man selbst entdecken sollte.

Das gelungene Werk erzählt eine wunderbare Geschichte, über einen jungen Mann auf dem Weg zu sich selbst, eine sehr angespannte und schwierige Familiensituation, eine sehr interessante Kultur auf einem anderen Kontinent mit einem Ende, dass mich zu Tränen gerührt hat. Absolut empfehlenswert!